Dolomites Last Loop: Kein Sieger bei der dramatischen Premiere

Seit Sonntagnachmittag um 16 Uhr, als der Klausner Alexander Rabensteiner nach 28 Runden als drittletzter Athlet und letzter Südtiroler Ultraläufer bei brütender Hitze ausstieg, hatten sich Marco Matteazzi und Raphael Stanic ein erbittertes Duell geliefert. Stunde um Stunde spulten die beiden Jungspunde – Matteazzi ist 25 Jahre alt, Stanic 22 – die 6,7 Kilometer lange Schleife mit rund 85 Höhenmetern bei der Nordic Arena in Toblach herunter. Für jede Runde benötigten sie jeweils etwas mehr als 50 Minuten. In den verbleibenden wenigen Minuten ließ sich das Duo vom eigenen Team verpflegen und nutzte die Zeit, um sich von den immer größer werdenden Strapazen zu erholen.
Ab Mitternacht spitzte sich die Lage zu. Beiden Ultra-Athleten war nun deutlich anzumerken, dass sie bereits seit eineinhalb Tagen unterwegs waren. Auf Schleife Nummer 39 verletzte sich Stanic am Fuß und musste aufgeben. Matteazzi zeigte Sportsgeist, half seinem verletzten Kontrahenten ins Ziel und schaffte es aus diesem Grund nicht mehr, die Distanz in der vorgegebenen Zeit zu absolvieren. Nach über 260 Kilometern und mehr als 3300 Höhenmeter war das Abenteuer Dolomites Last Loop für das Duo zu Ende – ohne dass es einen Sieger gab. Matteazzi, der aus Altavilla Vicentina stammt, Mitglied der italienischen Nationalmannschaft ist und im Oktober die Backyard-Ultra-WM bestreiten wird, durfte sich mit 38 regulär absolvierten Runden über eine neue persönliche Bestleistung (bisher 37 Runden) freuen.
101 Ausdauersportlerinnen und -sportler wollen es wissen
Der Dolomites Last Loop hatte am Samstagmittag bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen mit 101 Teilnehmenden begonnen. Bereits nach der ersten Schleife gab der erste Ausdauersportler auf. Um 20 Uhr, als die 9. Runde begann, waren aber immerhin noch 70 Athletinnen und Athleten dabei. Sie alle hatten zu diesem Zeitpunkt jeweils fast 54 Kilometer und rund 700 Höhenmeter in den Beinen. Mit Hereinbrechen der ersten Nacht wurden es jedoch immer weniger. Als beste Teilnehmerin absolvierte Monika Rabanser, die eine Spendenaktion für die Südtiroler Krebshilfe ins Leben gerufen hatte und über 3000 Euro sammeln konnte, 19 Runden (127,3 km) – eine Schleife mehr als die Ultra-Athletin Tanja Plaikner (120,6 km).
Neben Matteazzi und Stanic hielten in Toblach sechs Athleten 24 Stunden durch und legten bis dahin 100 Meilen (160,8 Kilometer) zurück. Es handelte sich um Egon Tauber aus Dietenheim und Marc Slanzi aus Leifers, für die der Wettkampf nach einem ganzen Tag zu Ende war, sowie Arnold Hiller aus Afing (27 Runden) und eben Alexander Rabensteiner aus Klausen, der seines Zeichens das Südtirol Ultrarace vier Mal gewinnen konnte.
Die Veranstalter sind zufrieden
Obwohl es bei der Premiere keinen Sieger, bzw. keine Siegerin gab, zeigten sich Gregor Sieder – er hat das Format Backyard-Ultra nach Südtirol gebracht – und OK-Präsident Gerti Taschler vom Sport OK Toblach sehr zufrieden. „Die Leistungen der Athletinnen und Athleten waren erstaunlich. Besonders gefreut hat uns die Tatsache, dass sehr viele Ausdauersportlerinnen die Herausforderung Dolomites Last Loop angenommen haben. Ebenfalls hervorzuheben ist die Tatsache, dass es keine größeren Unfälle gegeben hat und die Athletinnen und Athleten erschöpft, aber gesund die Heimreise antreten konnten. Das Feedback der Teilnehmenden war durchwegs positiv. Danken möchten wir unserem Team und unseren Partnern, die dieses Event überhaupt erst möglich gemacht haben. Für die nächste Ausgabe 2027 haben wir bereits einige Ideen“, so das Duo nach einem Wochenende, über das noch lange Zeit gesprochen werden wird.
Das ist ein Backyard Ultra
Der Backyard-Ultra ist ein Format, das in jüngster Vergangenheit, auch durch die sozialen Medien, enorme Aufmerksamkeit erhalten hat. Dabei gehen Laufsportlerinnen und Laufsportler an ihre körperlichen und mentalen Grenzen: Zu Anbeginn einer jeden vollen Stunde ist eine Runde von 6,7 Kilometern innerhalb der folgenden 60 Minuten zu bewältigen. Hat der Minutenzeiger eine volle Umdrehung auf der Uhr gemacht, dann geht es mit der nächsten Schleife weiter. Und das so lange, bis nur noch eine Läuferin bzw. ein Läufer übrigbleibt. Schafft diese Person auch die letzte Runde vor dem Ablauf der Stunde, dann steht sie als Siegerin bzw. Sieger fest.

